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Ein Gespräch darüber, wie Cloud-Technologie das Organisationsdesign verändert
Cloud und Agilität verändern das Organisationsdesign

Wie verändert der Weg in die Cloud eine Organisation von Grund auf? In einem Gespräch mit Anouk Maat von Kruso, Organisationsdesignerin und Transformationsexpertin, und Jesse Brandsma von Rapid Circle, Organisationsdesigner und Experte für Cloud-Technologie, gehen wir dieser Frage nach. Beide haben vor Kurzem eine umfassende Studie darüber abgeschlossen, wie Cloud-Technologien die Liefermodelle in Organisationen neu bestimmen. Das haben sie über ihre Ergebnisse zu berichten.
Was hat Sie dazu gebracht, den Zusammenhang zwischen dem Weg in die Cloud und den Liefermodellen zu untersuchen?
Jesse: „In unserer jüngsten Arbeit mit Kunden ist uns aufgefallen, dass viele Organisationen vor allem auf die technische Seite der Cloud-Migration schauen. Mit unserem Governance-Rahmen helfen wir ihnen zu verstehen, dass die eigentliche Herausforderung oft in der organisatorischen Anpassung liegt, die nötig ist, um die Möglichkeiten der Cloud auszuschöpfen. Die Cloud bietet über 30.000 skalierbare Dienste. Um dieses Werkzeug richtig und für die richtigen Zwecke einzusetzen, brauchen Organisationen neben anderen Fähigkeiten die passende Strategie und Struktur.“
Anouk: „Genau. Wir haben Organisationen gesehen, deren Fachteams in Silos arbeiteten und sich damit schwertaten in einer Cloud-Umgebung, die Eigenständigkeit und kurze Reaktionszeiten verlangt. Es wurde klar, dass wir Organisationen helfen müssen zu verstehen, wie sich ihre Liefermodelle zusammen mit der Cloud-Transformation entwickeln müssen. Liefermodelle unterscheiden sich durch die Arbeitsweise, die zu einer bestimmten Art von Aufgaben passt. Aufgaben rund um den Online-Verkauf in einem umkämpften Markt, wo sich vieles schnell ändert, verlangen eine andere Arbeitsweise als das Veröffentlichen von Forschungsarbeiten, wo sich wenig ändert. Deshalb haben wir bei Kruso ein strukturiertes Vorgehen im Kleinen entwickelt, um die jeweils passende Arbeitsweise zu finden.“
Können Sie uns etwas über den Rahmen sagen, mit dem Sie die Organisation analysiert haben? Und warum ist er dafür besonders geeignet?
Anouk: „Wir haben Org Topologies benutzt, entwickelt von Roland Flemm und Alexey Krivitsky, um zu analysieren, wie Organisationen ihre heutige Aufstellung mit einem bestimmten Ziel vor Augen weiterentwickeln können. Es arbeitet mit zwei Dimensionen: den Fähigkeiten der Teams und dem Zuschnitt ihrer Arbeit. Das hilft Organisationen zu erkennen, wo sie stehen und wohin sie müssen.“
Jesse: „Für die Cloud-Transformation ist dieses Modell besonders wertvoll, weil es schnell sichtbar macht, wie viele Abhängigkeiten zwischen Teams und Personen bestehen. Es zeichnet den Weg von Einzelnen mit einer Fähigkeit hin zu vollständig eigenständigen Teams, die schnell liefern. Das entspricht genau den Fähigkeiten, die man braucht, um in einer Cloud-Umgebung wirksam zu arbeiten.“
Können Sie uns diese Dimensionen aufschlüsseln?
Anouk: „Die Karte von Org Topologies betrachtet die Entwicklung von Teams entlang zweier Achsen. Waagerecht sehen wir, wie sich die Fähigkeiten der Teams entwickeln: von Einzelnen mit einer Fähigkeit über Fachgruppen und Einheiten mit mehreren Fähigkeiten bis zu Einheiten, die schnell liefern. Senkrecht verfolgen wir den Zuschnitt der Arbeit, von der einzelnen Aufgabe über die Funktion und den Fachbereich bis zum ganzen Geschäftskontext.“ Diese Karte hilft Organisationen zu verstehen, wo sie stehen, und ihre Transformation zu planen. Viele klassische IT-Organisationen fangen zum Beispiel mit Fachgruppen in Silos an, die auf einzelne Aufgaben schauen. In der Cloud brauchen wir dagegen Teams, die von Anfang bis Ende liefern können.“
Haben Sie ein Beispiel für solche Schwierigkeiten?
Anouk: „Wir haben vor Kurzem eine Cloud-Migration begleitet, die auf drei Wochen geschätzt war und deutlich länger gedauert hat. Als wir die Lage auf der Karte von Org Topologies eingetragen haben, wurde das Problem deutlich sichtbar: Das Team stand dort als Fachgruppe mit Aufgabenfokus und vielen Abhängigkeiten. Wir mussten die Abhängigkeiten auflösen und das Team dazu bringen, die Migration der Anwendung als Ganzes zu sehen statt als einzelne Aufgaben.“
Jesse: „Aus dem Projekt haben wir viel gelernt. Es hat gezeigt, dass klassische projektbasierte Ansätze, bei denen man Menschen zur Arbeit bringt, schlecht zum Betrieb in der Cloud passen. Cloud-Umgebungen leben von eigenständigen Teams, die für ihre Dienste von Anfang bis Ende die Verantwortung tragen.“
Anouk: „Ja, und im Gespräch mit dem Kunden hat sich gezeigt, dass es nicht machbar war, mit einem Schlag auf funktionsorientierte DevOps-Teams umzustellen. Aus guten Gründen musste der Kunde erst passende Kandidaten für den Anfang finden.
Wie arbeitet sich eine Organisation auf dieser Karte nach oben?
Anouk: „Entscheidend ist zu erkennen, dass verschiedene Teile einer Organisation an verschiedenen Stellen der Karte stehen dürfen. Manche Funktionen arbeiten als Komponententeams bestens, andere müssen sich zu Teams mit Funktionsfokus entwickeln. Es geht darum, für jeden Zusammenhang den passenden Zuschnitt zu finden.“
Jesse: „Sehe ich auch so, und wie diese Teile der Organisation dorthin kommen, ist oft ein schrittweiser Weg. Meist gehen Organisationen zuerst von Einzelnen zu Fachgruppen über. Dann bauen sie in diesen Gruppen mehrere Fähigkeiten auf. Zuletzt werden daraus eigenständige Teams, die schnell und von Anfang bis Ende liefern. Wichtig ist, dabei laufend zu beobachten und anzupassen. Und nicht vergessen: Damit beginnt auch ein kultureller Wandel in der Organisation.“
Was macht eine Organisation in der Cloud dann erfolgreich?
Jesse: „Das kommt darauf an. Sie müssen zuerst bestimmen, welche Cloud-Fähigkeiten Ihnen helfen, Ihre Ziele zu erreichen. Und wenig überraschend gehört die Entwicklung der Organisation dazu. Die Cloud entfaltet sich am besten mit bereichsübergreifenden Teams, die eigenständig arbeiten und die volle Verantwortung für ihre Dienste tragen. Solche Teams können Cloud-Fähigkeiten wie Infrastructure as Code und CI/CD-Pipelines voll ausschöpfen, weil sie alle nötigen Fertigkeiten und Befugnisse im Team haben.
Anouk: „In der Praxis stoßen Unternehmen aber auf Widerstände, verschobene Prioritäten, rechtliche Fragen und Ähnliches. All das kann so eine Aufstellung verzögern oder behindern. Damit es losgeht, ist wichtig zu wissen: Dieser Wandel geschieht nicht über Nacht. Wir empfehlen ein organisches Wachstumsmodell, in dem Organisationen ihre Liefermodelle nach und nach weiterentwickeln. Es beginnt damit, Fokus zu schaffen, führt über verlässliches Liefern und optimiert zuletzt auf Agilität.“
Woran erkennt eine Organisation, welches Liefermodell zu ihr passt?
Anouk: „Wir haben einen Rahmen entwickelt, der verschiedene Faktoren abwägt: wie viel Veränderung zu begleiten ist, wie viel Kundenwissen nötig ist, wie der Lebenszyklus gesteuert wird, welche technischen Kenntnisse gebraucht werden und wie viel sich wiederverwenden lässt. Aus diesen Faktoren ergibt sich, welche Art von Team in welchem Zusammenhang am besten arbeitet.“
Jesse: „Der Zusammenhang ist hier entscheidend. Verschiedene Geschäftsbereiche und Anwendungen haben verschiedene Bedürfnisse. Manche brauchen tiefes Kundenwissen und häufige Änderungen und eignen sich damit für Teams mit Funktionsfokus. Andere brauchen besonderes technisches Fachwissen.“
Haben Sie einen letzten Rat für Organisationen, die sich auf den Weg in die Cloud machen?
Jesse: „Denken Sie daran, dass Cloud und Agilität zusammengehören. Die Cloud liefert die technischen Möglichkeiten, schnell und eigenständig auszurollen und zu skalieren. Aber Sie brauchen die passende Strategie und Struktur, um sie zu nutzen. Für den eigenen Weg lohnt ein Blick auf den Cloud-Governance-Rahmen von Rapid Circle, veröffentlicht auf unserer Website, und Org Topologies als Einstieg in die Analyse der eigenen Organisation. Und vergessen Sie nicht, für morgen zu planen und zu organisieren.“
Anouk: „Setzen Sie auf organisches Wachstum und nehmen Sie Modelle zur Hand, die unabhängig von einem bestimmten Skalierungsrahmen funktionieren. Sie helfen Ihnen zu erkennen, wo Sie stehen und wohin Sie müssen. Fangen Sie klein an, vielleicht mit einem Pilotteam, und lernen Sie daraus. Nutzen Sie das Gelernte, um nach und nach weitere Teile der Organisation umzubauen. Es geht um die Balance zwischen Stabilität und der Eigenständigkeit, die der Betrieb in der Cloud verlangt. Wenn Sie sich mit Organisationsdesign befassen wollen, finden Sie unser strukturiertes Vorgehen im Kleinen auf Kruso.nl.“
Jesse: „Eine letzte Bemerkung an alle Organisationen, die vor Jahren in die Cloud aufgebrochen sind: Prüfen Sie Cloud-Strategie, Cloud-Fähigkeiten und ihre Nutzung in den Teams immer wieder neu. Gerade weil KI dazukommt, müssen Organisationen ihr Organisationsdesign immer wieder daraufhin ansehen, wie sie Cloud-Fähigkeiten nutzen, etwa Co-Pilot und agentische Workflows.“
Dieses Interview gibt Einblicke aus einer aktuellen Studie zu Cloud-Transformation und Organisationsdesign. Die technische Seite des Wegs in die Cloud ist wichtig, doch für den Erfolg zählt der organisatorische Wandel genauso. Wer diese Zusammenhänge versteht, kann sich besser auf den Weg in die Cloud und die Veränderungen vorbereiten, die er mit sich bringt.